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Diesel: Nachrüstung statt Fahrverbote

Frankfurt, 28.02.18

Der Fuhrparkverband ist gegen Fahrverbote, aber für technische Nachrüstung, wo es möglich ist. Ansonsten sollte man sich um die Zukunft und umweltschonende alternative Antriebe kümmern. Axel Schäfer, Geschäftsführer Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V., über das Leipziger Urteil und die Folgen.

Fuhrparkbetreiber, die noch Diesel-Fahrzeuge mit Euro-5-Norm oder älter fahren, haben das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig mit Spannung erwartet. Schließlich ging es darum, ob das Gericht Fahrverbote faktisch für prinzipiell zulässig erklärt. Ob Städte und Gemeinden solche dann wirklich aussprechen und wie das zu kontrollieren ist, das steht auf einem anderen Blatt, doch der Weg ist nun frei. Kommunen müssen Fahrbeschränkungen allerdings erst einmal konkret in die jeweiligen Luftreinhaltepläne aufnehmen.

Falls sich Kommunen dazu entschließen, empfiehlt die Kammer Übergangsfristen sowie die phasenweise Einführung der Restriktionen. So sollten die Gesetzgeber Fahrverbote zunächst auf die Euro-4-Norm und niedriger beschränken und in der Folge – frühestens ab dem 1. September 2019 – erst auf Euro-5-Diesel ausweiten. Da die Fahrzeuge in den Pkw-Flotten der betroffenen Fuhrparkbetreiber regelmäßig ausgetauscht werden, sieht der Fuhrparkverband in den nächsten ein bis zwei Jahren nur noch wenige Unternehmen betroffen. Ein größeres Problem könnten die kommunalen Fuhrparks bekommen, in denen die Autos tendenziell längere Zeit genutzt werden und Unternehmen mit Transportern. Denn die Euro 6-Umstellung für Sprinter & Co. erfolgte deutlich später, so dass hier selbst Fahrzeuge mit Erstzulassung Ende 2016 betroffen sein könnten. Und natürlich werden private Dieselfahrer mit Altfahrzeugen am stärksten in Mitleidenschaft gezogen.

Der Verband setzt sich sehr für alternative Antriebe ein, doch solange es für die Bedürfnisse der Fuhrparkbetreiber, insbesondere auf Langstrecken, noch keine echten Alternativ-Motorisierungen gibt, so lange sind Fahrverbote das falsche Mittel. Der Wille, auf emissionsärmere Fahrzeuge zu setzen, ist bei den Betrieben vorhanden, doch die Machbarkeit stimmt noch nicht.

Machbarkeit oberstes Gebot

Firmenfuhrparks sind zum Großteil mit verbrauchsärmeren Dieselmotoren ausgestattet. Und deren Einsatz findet oft in der City statt. Darunter noch viele Fahrzeuge mit Euro-5-Norm, so dass einige Gesellschaften einen Großteil ihrer Fuhrparks nicht mehr einsetzen könnten. Damit wäre die Belieferung des Handels und der Unternehmen in den Innenstädten genauso gefährdet wie die Nachfrage nach Produkten und Arbeitsplätzen. Hier wird vom Gericht schon die ein oder andere Ausnahmeregel erwähnt. Eine Regelungsflut mit Sonderfällen und Ausnahmen macht die Angelegenheit nicht leichter.

Technische Lösungen und Maßnahmen seitens der Städte, die den Verkehr besser fließen lassen, sind Fahrverboten vorzuziehen. Hier sehen wir vor allem die Fahrzeughersteller ganz klar in der Pflicht. Es sollten für eine dauerhafte Schadstoffreduzierung saubere und emissionsarme Fahrzeuge entwickelt und vermarktet werden. Alternativen zum Diesel gibt es, sind aber derzeit aus unterschiedlichen Gründen nicht für alle Einsatzzwecke zu nutzen – zum Beispiel für Langstreckeneinsätze. Fast unbeachtet sind etwa Erdgasfahrzeuge. Sie haben neben deutlich geringeren Emissionen klare wirtschaftliche Vorteile gegenüber dem Diesel (geringere Kfz-Steuer, bis zu 50 Prozent weniger Kraftstoffkosten) und sie sind in der Anschaffung nahezu auf gleichem Preisniveau wie Dieselfahrzeuge. Eine Fixierung der Politik auf Elektro-Autos war der völlig falsche Weg, was durch Aussagen im Koalitionsvertrag nun auch in Richtung technologieunabhängiger Förderung revidiert wurde. Wir brauchen Fahrzeuge, die den Anforderungen der gewerblichen Fuhrparkbetreiber gerecht werden und umweltschonend sind.

Umstellungen mit Kosten verbunden

Das bedeutet, dass in Forschung und Entwicklung investiert werden soll, statt sich auf ältere Fahrzeugtypen zu konzentrieren. Doch der Fuhrparkverband setzt sich auch für eine technische Umrüstung der Dieselfahrzeuge ein, zumindest dort, wo es möglich ist. Nachrüstungen von Euro-5 auf Euro-6 sollen die Probleme beseitigen. Allerdings zeigt das Gewährleistungsrecht aus unserer Sicht für sämtliche Nachbesserungen und den entstehenden Aufwand erhebliche Lücken. Die Nachrüstung zu fördern, hat nun auch eine Expertenkommission der Regierung empfohlen. Technisch ist hier wohl Einiges machbar, wer es bezahlt ist offen. Diverse Medien berichten aktuell, dass sich die Förderung “neben öffentlichen Mitteln auch aus finanziellen Beiträgen der Automobilhersteller speisen“ könnte.

Was gerne vergessen wird: Fuhrparkbetreiber tragen auch im Zuge einer vermeintlich kostenfreien technischen Umrüstung einen hohen Aufwand. Jeder Fuhrparkprofi weiß, dass Transaktionskosten ein Ärgernis sind. Zusätzliche Verwaltungskosten und Arbeitsausfall belasten den Eigentümer/Besitzer von Fahrzeugen, nicht den Verursacher. Eventuelle Probleme im Nachgang und weiterer Nachbesserungsbedarf, fehlende klare Statements zur Handhabung seitens der Hersteller und der Politik führen zu weiterer Verunsicherung.

Weitere Informationen: www.fuhrparkverband.de

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