- Privatkunden bringen den Pkw-Markt auf Jahreshoch, Flotten treten auf der Stelle
- Elektroboom: Jeder dritte Neuwagen ist rein elektrisch, neue Wettbewerber verdoppeln ihren Anteil
- Teurer Diesel: Bei den Transportern kippt die Stimmung
Statement Julian Litzinger, Automotive Analyst
„Der September ist ein starkes Signal für den Pkw-Markt, doch das Wachstum steht noch auf einem schmalen Fundament. Es wird vor allem vom Privatmarkt und von der Elektromobilität getragen, während die gewerblichen Kanäle wenig Bewegung zeigen. Gleichzeitig entstehen durch den schnellen Antriebswandel große Chancen: Wer jetzt attraktive Elektroangebote, wettbewerbsfähige Preise und Verfügbarkeit verbindet, kann Volumen absetzen. Das zeigen auch die deutlichen Zuwächse neuer Wettbewerber. Im Transportermarkt bleibt die Lage verhaltener, aber gerade dort bietet die steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen Potenzial für neue Impulse. Transparenz und aktuelle Marktdaten sind für alle Teilnehmer existenziell wichtig, um neue Chancen und Möglichkeiten nicht zu übersehen.“
Privatkunden bringen den Pkw-Markt auf Jahreshoch
Der deutsche Pkw-Markt hat im September deutlich zugelegt. Mit 256.774 Neuzulassungen wurden 9,0 Prozent mehr Fahrzeuge zugelassen als im Vorjahresmonat. Die saison- und arbeitstagbereinigte Jahresrate (SAAR) stieg auf 3,15 Millionen Pkw und erreichte damit den höchsten Wert seit Jahresbeginn.
Entscheidender Wachstumstreiber war erneut der Privatmarkt. Die privaten Zulassungen legten um 28 Prozent auf 103.462 Fahrzeuge zu und erreichten einen Marktanteil von 40 Prozent. Damit kamen mehr als 22.900 zusätzliche Zulassungen aus diesem Kanal. Der Flottenmarkt blieb dagegen mit einem Plus von 1 Prozent auf 69.401 Einheiten nahezu stabil. Auch die Autovermieter entwickelten sich positiv und steigerten ihr Volumen um 8 Prozent. Hersteller (keine Veränderung) und Handel (-11 %) bedienen zuerst die Privatnachfrage und halten sich mit Eigenzulassungen zurück.
Das kräftige Wachstum sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt weiterhin nicht breit abgestützt ist. Der Flottenmarkt bleibt kumuliert 0,7 Prozent unter Vorjahr. Damit hängt die derzeitige Dynamik stark an der privaten Nachfrage – und an Faktoren wie den Fördermaßnahmen und den weiterhin hohen Kraftstoffpreisen.
Elektroboom verschiebt die Kräfteverhältnisse
Die Elektrifizierung hat im September weiter deutlich an Fahrt gewonnen. Mit rund 88.600 Neuzulassungen stiegen die Zulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw war rein elektrisch. Zusammen mit Plug-in-Hybriden entfielen rund 45 Prozent aller Neuzulassungen auf extern aufladbare Fahrzeuge.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung im Privatmarkt: Die BEV-Zulassungen stiegen dort um 171 Prozent auf 50.418 Fahrzeuge. Damit waren 48,7 Prozent aller privat zugelassenen Pkw rein elektrisch. Gleichzeitig verloren Benziner und Diesel um 26 beziehungsweise 27 Prozent. Auch im Flottenmarkt nimmt die Elektrifizierung weiter zu. Batterieelektrische Fahrzeuge legten um 54 Prozent auf 23.431 Einheiten zu und erreichten einen Anteil von 33,8 Prozent.
Für Hersteller und Handel liegt darin eine große Chance und Herausforderung zugleich, die Marktanteile neu zu verteilen. Das zeigen insbesondere die starken Zuwächse neuer und chinesischer Wettbewerber. Ihr gemeinsamer Marktanteil hat sich auf rund 7 Prozent nahezu verdoppelt. Marken wie BYD, MG, Leapmotor und Xpeng profitieren sichtbar von der wachsenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Für etablierte Hersteller steigt der Druck, wettbewerbsfähige elektrische Angebote konsequent in die Breite des Marktes zu bringen.
Transporter: Elektrifizierung setzt Impulse in einem schwachen Markt
Der Markt für Transporter und Pkw-Utilities ging im September um 2 Prozent auf 38.358 Neuzulassungen zurück. Ausschlaggebend war vor allem der Privatkanal, der mit einem Minus von 16 Prozent deutlich nachgab. Immerhin blieb das Zulassungsvolumen im Flottenmarkt stabil (+0,6 %).
Auch im Transportermarkt führen die hohen Kraftstoffpreise zu einem Umdenken. Im September kletterten die BEV-Zulassungen um 60 Prozent, während der Absatz von Benzin- (-12 %) und Dieseltransportern (-8 %) rückläufig war. Noch im letzten Jahr war der Marktanteil der Elektrotransporter mit unter 9 Prozent im einstelligen Bereich, nun bewegt er sich stetig nach oben. Die 16 Prozent im September werden wohl schon in diesem oder nächsten Monat erneut übertroffen werden.