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Strom oder nicht Strom?

Frankfurt, 28.01.20

Fahrverbote, dümpelnde Dieseldiskussion, Subventionen für Elektroautos: Für manchen Fuhrparkleiter ist derzeit nicht leicht zu entscheiden, was für ein Fahrzeug er jetzt anschaffen soll – auch im Hinblick auf den künftigen Restwert. Andreas Birklen, Experte für Restwertprognosen der bähr & fess forecasts GmbH, zeigt die Entwicklung.

Fahrzeughersteller stellen emsig neue Elektromodelle vor. Der Hype um diese Mobilitätsalternative nimmt Fahrt auf. Eine Lösung für alle Fälle?
Ein teil- oder komplett strombetriebenes Fahrzeug soll zum entsprechenden Fahrprofil passen. Bei Dienstwagen für Pendler bieten sich daher je nach Fahrstrecke alle Antriebsarten an. Interessant sind E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride durch die steuerliche Begünstigung und die staatliche Förderung von 6.000 beziehungsweise 5.000 Euro. Reine Stromer haben mittlerweile eine alltagstaugliche Akkuleistung, so dass ein Fahrer bei einer täglichen Pendlerstrecke von rund 50 Kilometern mehrere Tage nicht laden muss.

Das Problem des Ladens kann mit Plug-in-Hybriden bequem umgangen werden. Sie schalten automatisch auf Benzin- oder Dieselbetrieb um. Machen sie nur mit entsprechender Infrastruktur Sinn?
Das ist momentan das Handicap der Plug-in Hybride. Die meisten Fahrer fahren sie überwiegend mit Benzin – Bequemlichkeit siegt. Auch in anderen Ländern zeigt sich, dass Unternehmen Anreize schaffen müssen, damit Nutzer das Fahrzeug auch regelmäßig laden und mit Strom fahren. Wer nicht lädt, verkennt den Sinn der Technologie. Das Auto und die laufenden Kosten sind dann für Fuhrparks zu teuer, und der Umwelt ist nicht gedient.

Kommen für große Jahreskilometerleistungen aktuell strombetriebene Fahrzeuge in Frage?
Wer täglich lange Strecken absolviert, wie beispielsweise bei Außendienstmitarbeitern üblich, kommt am Diesel nicht vorbei. Niedrige Treibstoffkosten und eine hohe Laufleistung sind immer noch unschlagbar. Durch die Diskussion sind die Gebrauchtwagenwerte zwar zunächst eingeknickt, doch die haben sich mittlerweile stabilisiert, auch Fahrverbote müssen Käufer neuer Modelle nicht befürchten. Eine Einschränkung bleibt: Es ist nicht absehbar, was sich in den nächsten zwei Jahren politisch verändern wird.

Viele Unternehmen liefern aus, besuchen Kunden oder fahren mit Transportern Mitarbeiter täglich zum Arbeitsplatz. Welche Optionen bieten sich?
Die Frage der Antriebsart ist tatsächlich sehr stark abhängig vom Einsatzbereich. Für klassische Fahrten wie die „letzte Meile“ oder Personentransporte zum Arbeitseinsatz rechnen sich heute bereits reine E-Fahrzeuge oder Plug-in Hybride. Sie haben in der Regel keinen festen Fahrer, dafür einen festen Parkplatz, über den tägliches Laden gesichert ist. Wenn beispielsweise Handwerker überwiegend im ländlichen Bereich im Einsatz sind, ist weiterhin ein Diesel sinnvoll.

Wären nicht auch Erdgas-Modelle eine Alternative?
Auf jeden Fall. Das hängt vor allem von der regionalen Infrastruktur ab. Wenn ein Unternehmen im Umfeld gut mit Erdgastankstellen versorgt ist, dann ist Erdgas eine günstige Wahl. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass die Auswahl an Modellen begrenzt ist.

Welches neue Gefährt würden Sie dem Unternehmenschef empfehlen?
An und für sich geben wir keine Empfehlungen für konkrete Fahrzeugmodelle ab. Zudem ist der Begriff Unternehmenschef weit gefasst. Grundsätzlich sind – je nach Fahrerprofil – alle Antriebsarten möglich. Die Frage ist, welches Image soll das Auto nach außen, sowie nach innen vermitteln? E-Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride zeigen auch den Mitarbeitern, dass man vorausgeht und umweltbewusst denkt.

Viele Nutzer könnten somit bereits elektrisch unterwegs sein, Subventionen und steuerliche Vorteile sind zusätzliche Anreize. Soll ein Unternehmen die Gunst der Stunde nutzen und möglichst rasch seine Flotte elektrifizieren?
Man sollte nichts überstürzen, denn in diesem Markt ist viel in Bewegung. Neue Anbieter sind in den Wettbewerb eingestiegen, die Preise für Neufahrzeuge werden nachgeben, die Entwicklung der Batterien geht weiter. Und es ist unklar, wie sich der Strompreis weiterentwickelt. Allein diese Punkte haben beispielsweise Einfluss auf den Restwert. Zudem muss das Fahrerprofil passen, sonst wird ein strombetriebenes Fahrzeug zu teuer für einen Fuhrpark.

Ist in dieser Situation Leasing statt Kauf die richtige Strategie?
Leasing nimmt Arbeit ab und bietet Planungssicherheit in vielen Bereichen. Aus Sicht des Restwertrisikos ist Leasing natürlich sinnvoll, den je nach Vertragsgestaltung wird diese ebenfalls genommen. Das abgegebene Risiko könnte sich dann aber in höheren Leasingraten bemerkbar machen.

Mit welcher Wertentwicklung rechnen Sie in den kommenden Jahren?
Durch die engeren Emissionsgrenzen müssen Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen. Konventionelle Fahrzeuge werden teurer, gleichzeitig werden neue strombetriebene Modelle günstiger und bringen höhere Reichweiten mit.

Welche Modelle haben 2020 das Potenzial zum Renner im Flottenmarkt?
Wir sind Restwertprognosespezialisten und möchten daher die Frage auch aus dieser Sicht beantworten. In der Mittelklasse gehören beispielsweise der Audi A5 Sportback oder Mercedes-Benz C-Klasse zu den wertstabileren Modellen (ausgehend von einer Haltedauer von drei Jahren). Wer diese Modelle neu mit einem interessanten Nachlass einkauft, darf auf einen relativ niedrigen Wertverlust hoffen. Durch deren vorteilhafte steuerliche Behandlung rücken Plug-in-Hybride in das Interesse der Firmenwagenfahrer, auch hier sind durchaus wertstabile Fahrzeuge anzutreffen. So ist beim Ford Kuga der Aufpreis für die Plug-in-Hybrid Version vergleichsweise gering. Davon profitiert die prozentuale Restwertprognose und der monetäre Wertverlust bleibt gering.

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Foto: © adobestock/rcfotostock

Andreas Birklen

ist Manager Customer Excellence bei bähr & fess forecasts, dem führenden Anbieter von Restwertprognosen, Portfolioanalysen und Beratungsdienstleistungen rund um das Thema Restwert.

Foto: © Birklen

Publikation nur unter Bekanntgabe der Quelle.

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